Die akademische Kunst war die von den offiziellen Kunstakademien Europas geprägte Malerei und Bildhauerei vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert, mit ihrem Höhepunkt im 19. Jahrhundert. Ihre Bilder sind groß, präzise gezeichnet und glatt vollendet, mit idealisierten Körpern, theatralischen Gesten und genauem archäologischem Detail, und sie ziehen Geschichte, Mythologie und exotische Stoffe dem Alltag vor. Die Akademien ersetzten die alten Zünfte und hoben die Künstler aus dem Handwerkerstand in den Rang gebildeter Männer. Mit ihren Schulen, Preisen und Ausstellungen bestimmten sie über Generationen, was als offizielle Kunst galt.
Die erste Akademie gründete Herzog Cosimo I. de’ Medici am 13. Januar 1563 in Florenz unter dem Einfluss Giorgio Vasaris; Michelangelo gehörte zu ihren ersten Mitgliedern. In Bologna eröffneten die Carracci 1582 eine eigene Akademie. In Paris wurde die 1648 gegründete Königliche Akademie für Malerei und Bildhauerei zu einem Organ des Staates: Ludwig XIV. nutzte sie zur Verherrlichung seiner Herrschaft, und 1666 eröffnete sie eine Zweigstelle in Rom. Es folgten Akademien in Madrid (1752), Sankt Petersburg (1757) und London, wo 1768 die Royal Academy entstand.
Die akademische Lehre ordnete die Bildthemen in einer Rangfolge der Gattungen. An der Spitze stand die Historienmalerei mit biblischen, mythologischen, literarischen und allegorischen Szenen, weil sie den menschlichen Körper zeigte und sittliche Lehren vermittelte; es folgten Bildnis, Genremalerei, Landschaft und Stillleben. Im späten 17. Jahrhundert stritten die Mitglieder der Pariser Akademie, ob Poussins Zeichnung oder Rubens’ Farbe das Vorbild sein solle, und im 19. Jahrhundert kehrte der Streit als Gegensatz von Ingres und Delacroix wieder. Spätere Meister suchten beides zu versöhnen. Thomas Couture vertrat, Linie und Farbe ließen sich nicht trennen, und William-Adolphe Bouguereau erklärte, er male nicht einen Krieg, sondern den Krieg.
Die Ausbildung an der Pariser École des Beaux-Arts dauerte vier Jahre und folgte festen Stufen. Die Schüler kopierten zuerst Stiche nach antiken Skulpturen, zeichneten dann nach Gipsabgüssen und erst danach nach dem lebenden Aktmodell; solche Aktstudien hießen selbst Akademien. Malerei wurde an der École erst ab 1863 gelehrt, den Pinsel lernten die Schüler im Atelier eines Akademiemitglieds. Der höchste Schülerpreis, der Prix de Rome, schickte den Sieger für bis zu fünf Jahre an die Französische Akademie in der Villa Medici in Rom. In der Schlussrunde malten zehn Bewerber, alle Franzosen, männlich, ledig und unter 30, 72 Tage lang in abgeschlossenen Ateliers ein Historienbild. Frauen ließ die École erst 1897 zu.
Der Pariser Salon entschied über Karrieren. Bis zu 500.000 Besucher kamen während seiner zwei Monate, und Tausende Gemälde hingen dicht an dicht bis unter die Decke. Die Künstler kämpften um einen Platz in Augenhöhe statt hoch oben an der Wand. Thomas Couture feierte 1847 mit den „Römern der Verfallszeit“ (Musée d’Orsay) einen Triumph. Im Salon von 1863 kaufte Napoleon III. Alexandre Cabanels „Geburt der Venus“ (Musée d’Orsay), einen perlmuttfarbenen Akt, der auf den Wellen treibt. Bouguereaus eigene „Geburt der Venus“ (1879, Musée d’Orsay) und Jean-Léon Gérômes Gladiatorenszene „Pollice Verso“ (1872, Phoenix Art Museum) zeigen die polierte Manier auf ihrem Höhepunkt.
Auch anderswo prägten Akademien nationale Schulen. In London malten Frederic Leighton, ab 1878 Präsident der Royal Academy, und Lawrence Alma-Tadema eine sonnige Antike aus Marmor und Seide, etwa in „Die Rosen des Heliogabal“ (1888, Privatbesitz). In Wien bestimmten Hans Makarts riesige Historienbilder und prunkvolle Ausstattungen den Geschmack. Alexander Iwanow arbeitete zwanzig Jahre an der „Erscheinung Christi vor dem Volk“ (1837-1857, Tretjakow-Galerie, Moskau), und in Krakau malte Jan Matejko polnische Geschichte, so „Die Schlacht bei Grunwald“ (1878, Nationalmuseum, Warschau). Frauen blieben lange ausgeschlossen: Johan Zoffanys Gruppenbild der Mitglieder der Royal Academy (1771-1772, Royal Collection) zeigt die Gründungsmitglieder Angelika Kauffmann und Mary Moser nur als Bildnisse an der Wand.
Ab den 1850er Jahren wuchs der Widerstand. Als Gustave Courbet für die Weltausstellung von 1855 Werke abgelehnt wurden, zeigte er sie in seinem eigenen Pavillon des Realismus, und die Realisten griffen den akademischen Idealismus und seine geleckten Oberflächen an. 1863 ließ Napoleon III. einen Salon des Refusés für abgewiesene Werke zu, wo Édouard Manets „Frühstück im Grünen“ verspottet wurde. Manet selbst hatte sechs Jahre bei Couture gelernt. Später nannte man den Stil abfällig „art pompier“, meist erklärt mit den Helmen in Bildern Davids und seiner Schule, die an Feuerwehrhelme erinnerten. 1939 tat Clement Greenberg die akademische Malerei als Kitsch ab. Seit das Musée d’Orsay 1986 eröffnete und sie neben den Impressionisten zeigt, ist sie in die Museen und auf den Kunstmarkt zurückgekehrt.