Impressionismus und Postimpressionismus waren verbundene Strömungen der französischen Malerei (1860er Jahre bis 1905): Die erste fing flüchtiges Licht in raschen Strichen reiner Farbe ein, die zweite gab dieser Farbe Struktur, Symbolkraft und Gefühl. Der Impressionismus blühte in den 1870er und 1880er Jahren in Paris, der Postimpressionismus folgte ab 1886, bis um 1905 der Fauvismus aufkam. Beide brachen mit der Académie des Beaux-Arts und ihrem jährlichen Salon, der Historienbilder und religiöse Themen schätzte, glatte Oberflächen ohne sichtbaren Pinselstrich und unter goldgelbem Firnis gedämpfte Farben. 1863 wies die Salonjury Édouard Manets „Das Frühstück im Grünen“ (Musée d’Orsay) zurück, auf dem eine nackte Frau mit zwei bekleideten Männern picknickt. Napoleon III. ließ daraufhin einen Salon des Refusés zu, der mehr Besucher anzog als der offizielle Salon, viele davon zum Spotten.
Den Kern der Gruppe bildeten Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Alfred Sisley und Frédéric Bazille, die sich Anfang der 1860er Jahre im Atelier von Charles Gleyre kennenlernten. Eugène Boudin hatte Monet zuerst zur Freilichtmalerei geführt, und die Freunde vollendeten nun ganze Bilder im Freien, statt dort nur zu skizzieren. Farben in Zinntuben machten das praktikabel, und neue synthetische Pigmente wie Kobaltblau, Kadmiumgelb und Coelinblau hellten ihre Paletten auf. Im Café Guerbois in Paris scharten sie sich um Manet, ergänzt durch Camille Pissarro, Paul Cézanne und Armand Guillaumin. Sie verehrten Manet als Anführer, doch er stellte nie mit ihnen aus und verwendete weiterhin Schwarz. Bazille fiel 1870 im Deutsch-Französischen Krieg.
Im Dezember 1873 gründeten Monet, Edgar Degas, Pissarro, Renoir, Berthe Morisot und andere eine anonyme Gesellschaft von Malern, Bildhauern und Grafikern, um ohne den Salon auszustellen. Ihre erste Ausstellung öffnete im April 1874 im Fotoatelier von Nadar am Boulevard des Capucines, mit dreißig Teilnehmern. In der Zeitung Le Charivari verspottete der Humorist Louis Leroy Monets „Impression, Sonnenaufgang“ (1872, Musée Marmottan Monet) als bloße Skizze, unfertiger als rohe Tapete, und nannte nach diesem Titel die ganze Gruppe Impressionisten. Die Maler übernahmen den Namen. Bis 1886 veranstaltete die Gruppe acht Ausstellungen, und nur Pissarro war bei allen dabei. Ihr Kunsthändler Paul Durand-Ruel brachte ihre Werke nach London und 1886 nach New York.
Ein impressionistisches Bild besteht aus kurzen, pastosen Tupfen, die kaum vermischt nebeneinanderstehen, sodass benachbarte Farben einander steigern. Schwarz wird gemieden, dunkle Töne entstehen aus Komplementärfarben. Gemalt wird nass in nass, was die Kanten weich macht, und ein weißer oder heller Malgrund hält die deckende Oberfläche licht. Schatten nehmen das Blau des Himmels an, eine Beobachtung, die zuerst am Schnee gemacht wurde. Die Motive sind modern: Boulevards, Bahnhöfe, Cafés, Theater, Tanzlokale und Sonntagsausflüge, sogar Fabrikschlote in der Landschaft. Angeschnittene, aus der Mitte gerückte Bildausschnitte nach dem Vorbild der Fotografie und japanischer Farbholzschnitte lassen Szenen wie zufällig erfasst wirken, so in Gustave Caillebottes „Straße in Paris, Regenwetter“ (1877, Art Institute of Chicago).
Monet (1840-1926), Sisley, Morisot und Pissarro blieben Sonnenlicht und Farbe am beständigsten treu. Monet malte später Serien eines einzigen Motivs zu verschiedenen Tageszeiten, etwa Heuschober und die Fassade der Kathedrale von Rouen. Ab 1883 malte er seinen Garten in Giverny, und seine großen Seerosenbilder hängen seit 1927 im Musée de l’Orangerie. Renoirs „Tanz im Moulin de la Galette“ (1876, Musée d’Orsay) streut durch Laub gefiltertes Sonnenlicht über eine Menge Tanzender. Degas stellte die Zeichnung über die Farbe, verachtete das Malen im Freien und zeigte Tänzerinnen und Caféleben. Als Frauen von Café- und Boulevardmotiven ausgeschlossen, malten Morisot und die Amerikanerin Mary Cassatt das häusliche Leben, so in Morisots „Die Wiege“ (1872, Musée d’Orsay) und Cassatts „Das Bad des Kindes“ (1893, Art Institute of Chicago).
Der Bruch kam mit der achten Ausstellung 1886, die die Gruppe über die Einladung an Georges Seurat und Paul Signac spaltete. Seurat zeigte „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte“ (1884-1886, Art Institute of Chicago), eine Menge am Flussufer, aufgebaut aus winzigen, regelmäßigen Punkten reiner Farbe. Kritiker verspotteten das Verfahren als Pointillismus, seine Urheber bevorzugten den Begriff Divisionismus, und die Richtung wurde als Neoimpressionismus bekannt. Selbst Pissarro malte so von der Mitte der 1880er bis in die frühen 1890er Jahre und kehrte dann zu seiner früheren Art zurück. Die Jüngeren behielten die helle Farbe und die Arbeit nach der Natur bei, fanden aber die Motive belanglos und die Bildstruktur aufgelöst. Sie betonten geometrische Formen, verzerrten Gestalten um des Ausdrucks willen und setzten Farbe frei statt naturgetreu ein.
Paul Cézanne (1839-1906), oft Vater des Postimpressionismus genannt, wollte den Impressionismus so fest und beständig machen wie die Kunst der Museen. Er baute seine Bilder aus vereinfachten, blockhaften Formen in gesättigter Farbe auf, so in den „Kartenspielern“ (1894-1895, Musée d’Orsay) und in vielen Ansichten der Montagne Sainte-Victoire. Vincent van Gogh (1853-1890) legte seine Gefühle in glühende Farbe und dicke, wirbelnde Pinselzüge, etwa in der „Sternennacht“ (1889, Museum of Modern Art, New York). In Pont-Aven in der Bretagne setzten Paul Gauguin und Émile Bernard die Farbe in flache, umrissene Felder, eine Malweise, die 1889 Synthetismus genannt wurde; ab 1891 malte Gauguin auf Tahiti. Henri de Toulouse-Lautrec zeichnete die Kabaretts von Montmartre mit scharfer, plakathafter Linie.
Der Begriff Postimpressionismus geht auf den Kritiker Roger Fry zurück, der ihn 1906 verwendete. Berühmt machte er ihn mit der Ausstellung „Manet and the Post-Impressionists“ 1910-1911 in den Londoner Grafton Galleries und erklärte später, er habe die vageste verfügbare Bezeichnung gewählt. Ein großer Teil der Presse reagierte empört. Inzwischen hatte sich der Impressionismus verbreitet, mit Childe Hassam und William Merritt Chase in Amerika, Max Liebermann und Lovis Corinth in Deutschland, Joaquín Sorolla in Spanien und der Heidelberg School in Australien. Der Postimpressionismus führte weiter zu Fauvismus, Expressionismus und Kubismus. Die größte Gruppe von Werken beider Strömungen hängt im Musée d’Orsay in Paris, bedeutende Bestände besitzen auch das Art Institute of Chicago und die Courtauld Gallery in London.