Manierismus: Künstler von A bis Z

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Kunstgeschichte: Manierismus

Der Manierismus war der Stil, der in Italien zwischen etwa 1520 und 1600 auf die Hochrenaissance folgte und Raffinesse und Kunstfertigkeit über die schlichte Nachahmung der Natur stellte. Seine Bilder zeigen gelängte Figuren in gedrehten Haltungen, gedrängte oder unklare Räume und kühle, oft schrille Farben; von Florenz und Rom aus verbreitete er sich über Europa. Der Name geht auf das italienische maniera zurück, Stil oder Art. Giorgio Vasari gebrauchte das Wort als Lob und nannte die Kunst seiner Zeit die moderne Manier. Spätere Kritiker machten daraus einen Vorwurf: gekünstelte Kunst aus zweiter Hand. Deutsche Kunsthistoriker des frühen 20. Jahrhunderts führten den Begriff als Epochenbezeichnung ein, heute ist er wertfrei.

Die ersten Manieristen gehörten zu einer jungen Generation, der das Gleichgewicht Leonardos, Raffaels und Michelangelos unübertrefflich erschien. In Florenz brachen Jacopo Pontormo und Rosso Fiorentino, beide Schüler Andrea del Sartos, dieses Gleichmaß auf. Rossos „Kreuzabnahme“ (1521, Pinacoteca, Volterra) stellt kantige Figuren auf Leitern in harten Farbflächen vor einen fahlen Himmel. In Pontormos „Kreuzabnahme“ in der Florentiner Kirche Santa Felicita (1525-1528) drängen sich Trauernde in Rosa und Hellblau auf engem Raum, ohne Kreuz und fast ohne Boden unter den Füßen. Michelangelos Spätwerk, vor allem das „Jüngste Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle (1536-1541), wurde zum großen Vorbild für kraftvolle, gewundene Körper.

Raffaels erster Gehilfe Giulio Romano trug die neue Manier von Rom nach Mantua. Dort scheinen im Saal der Giganten des Palazzo Te (1532-1535) die gemalten Wände über dem Besucher einzustürzen. Parmigianino kam 1524 aus Parma nach Rom. Sein „Selbstbildnis im Konvexspiegel“ (um 1524, Kunsthistorisches Museum, Wien), auf eine gewölbte Tafel gemalt, vergrößert die Hand im Vordergrund ins Riesenhafte. Die Plünderung Roms 1527 zerstreute diese Maler über Italien und darüber hinaus. Vasari erzählt, Soldaten hätten Parmigianino in seiner Werkstatt so vertieft in die Arbeit angetroffen, dass sie ihn verschonten. Seine „Madonna mit dem langen Hals“ (1534-1540, Uffizien) dehnt die Gottesmutter zu unwirklicher Eleganz, neben Säulen, die er nie vollendete.

Ab etwa 1530 wurde der Stil zu einer geschliffenen Hofkunst, oft maniera genannt. Agnolo Bronzino, Schüler Pontormos, wurde 1539 Hofmaler der Medici. Sein „Bildnis der Eleonora von Toledo mit ihrem Sohn“ (um 1545, Uffizien) zeigt die Herzogin mit glattem, blassem Inkarnat und unnahbarem, beherrschtem Gesicht. Ihr Brokatkleid ist fast Faden für Faden gemalt. Seine „Allegorie mit Venus und Amor“ (um 1545, National Gallery, London), ein Geschenk an Franz I. von Frankreich, hüllt eine erotische Umarmung in Allegorien, deren Deutung bis heute umstritten ist. Vasari malte in derselben Art, und seine „Viten“ (1550, erweitert 1568) formulierten ihre Ideale: Erfindung, Verfeinerung und virtuoses Können.

Rosso brachte den Stil 1530 nach Frankreich. In Fontainebleau schmückte er die Galerie Franz I. mit Fresken zwischen Stuckfiguren in hohem Relief; nach seinem Tod 1540 übernahm Francesco Primaticcio die Leitung. Kupferstiche trugen solche Entwürfe nach Antwerpen und weiter durch Nordeuropa. Giuseppe Arcimboldo, lange im Dienst der habsburgischen Kaiser in Wien und Prag, stellte Rudolf II. als „Vertumnus“ dar (1591, Schloss Skokloster, Schweden), das Gesicht aus Obst, Gemüse und Blumen zusammengesetzt. In Haarlem bevorzugten Hendrick Goltzius und Cornelis van Haarlem muskulöse Akte in angespannten Posen. In Utrecht malte Joachim Wtewael bis zu seinem Tod 1638 kleine mythologische Szenen auf Kupfer.

In Venedig malte Jacopo Tintoretto, dessen schnelle, raue Pinselschrift Vasari maßlos fand, ein „Abendmahl“ für San Giorgio Maggiore (1592-1594). Der Tisch stößt steil ins Dunkel, beleuchtet von einer Hängelampe und dem Nimbus Christi, während Engel aus Rauch Gestalt annehmen. El Greco, auf Kreta geboren, arbeitete in Venedig und Rom, bevor er sich 1577 in Toledo niederließ. Im „Begräbnis des Grafen von Orgaz“ (1586-1588), das noch heute in Toledos Kirche Santo Tomé hängt, trennt eine Reihe schwarz gekleideter Edelleute die Bestattung vom Himmel. Darüber drängen sich gestreckte, flammenartige Gestalten. Sein „Laokoon“ (um 1610-1614, National Gallery of Art, Washington) versetzt den trojanischen Mythos unter eine Ansicht Toledos.

Das Konzil von Trient (1545-1563) verlangte klare und schickliche religiöse Bilder. 1565 malte Daniele da Volterra Tücher über die Blößen einiger Figuren in Michelangelos „Jüngstem Gericht“ und erhielt dafür den Spottnamen Il Braghettone, der Hosenmaler. Nach 1580 verlor der Stil in Italien an Boden, als die Carracci in Bologna und Caravaggio in Rom wieder unmittelbar die Natur studierten. Um 1600 herrschte dort der Barock.

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